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BeitragVerfasst: Di 18. Sep 2012, 16:29 
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Überlegungen zur Familientherapie Jugendlicher


Im Folgendem gehe ich auf ein Interaktionsmodell (intergratives Modell) ein, in dem 5 Hauptperspektiven dargestellt werden, die dem therapeutischen Handeln die Richtung weisen.
Vergleichen kann man das Interaktionsmodell mit einem Teleskop: Aspekte des Beobachtungsfeldes werden scharf ins Blickfeld gestellt, andere ausgeblendet.

1. Hauptperspektive (Bezogene Individuation)

Zu Beginn erläutere ich erst den Begriff Individuation, der in erster Linie die Ausbildung und Erhaltung individueller Eigenschaften und psychologischer Grenzen bezeichnet.
Dies ist wichtig um uns in einer Beziehung als getrennt und zugleich bezogen zu erleben.
In dieser Zeit ist es wichtig, sowohl eine gelungene Trennung und eine Versöhnung im Jugendalter zu erleben.
Der Begriff "bezogene Individuation" beschreibt sowohl das Verhalten eines Einzelnen in einer Zweierbeziehung, als auch von mehreren Personen, etwa von Familienangehörigen in einem Familienfeld.
Eine Störung der bezogenen Individuation tritt ein, wenn sich Angehörige ungenügend gegeneinander abgrenzen (symbiotisch miteinander verschwimmen) oder voneinander abkapseln (kommunikationsfeindlich werden).
So kann es entweder zu einer Unter- oder Überindividuation kommen.
Im Großen und Ganzen geht es in diesem Aspekt um die Bedeutung der Individuation als Fähigkeit zur Abgrenzung der eigenen Gefühle, Erwartungen, Position,etc...
Daraus ist zu schließen, dass Abgrenzung alleine nicht genügt, sie muss mit Bezogenheit verbunden werden und in einer fortlaufenden Beziehung eingebettet sein.

Therapeutische Konsequenz dieser Perspektive:

--> Ermöglichung des Dialoges:
Training:
· Im Sprechen in Ich-Form ( Ich fühle dies, ich erwarte dies...)
· Aussenden klarer Botschaften
· Hinhören auf das, was der Andere ausdrückt

--> in Kontext Einzel-, Gruppen-. oder Familientherapien

2. Hauptperspektive (Die Beziehungsweisen von Bindung und Ausstoßung)

Bindung und Ausstoßung sind wesentliche Begriffe in diesem Abschnitt. Sie sind zwei zentrale Interaktionsweisen.

Bindung als Folge versäumter Trauer

Zu Bindung gehört auch Abschied, jedoch gibt es auch Menschen mit ungeleisteter Abschiedsnahme (Trauerarbeit).Ein klassisches Problem ist der Trennungsprozess im Jugendalter, wobei die Eltern wie auch die Kinder Trauerarbeit erbringen müssen, um sich von einander zu trennen und einen neuen Weg in Leben zu gehen.
Bei einer pathologischen (krankhaften) Bindung wurde Trauerarbeit in der Regel versäumt und somit ein Trennungsprozess unmöglich gemacht. Daraus folgt eine massive Bindung an eine andere Person, um die nicht bewältigte Trauerarbeit zu überspielen.

Für die Therapie heißt das--> Arbeiten an der Ent-Bindung --> nachholende Trauerarbeit


Ausstoßung:

Hierbei handelt es sich um eine langfristige Beziehungsstruktur, die aber im Gegensatz zur Bindung ein dauerndes NICHT-WICHTIG-NEHMEN und Vernachlässigen des Ausgestoßenen einschließt.
Dies findet man häufig bei zerbrochenen (Scheidungs-) Familien, weil Eltern ihre Kinder aus erster Ehe in eine neue Partnerschaft mitbringen und dort sich eher auf eine neue Familie oder einen neuen Beruf konzentrieren,, sodass die Kinder zweitrangig werden.

Ziel der Therapie ist es eine Bindung von Eltern und Kind zu erreichen, also genau das Gegenteil zum Ent-Binden.
Auch hier braucht man häufig die Ermöglichung einer versäumten Trauerarbeit, denn der Ausgestoßene verlor oft seine Eltern, bevor er von ihnen Abschied nehmen konnte.
Dies ist sehr schwer, denn dazu muss er die verlorenen Eltern soweit wie möglich"real " werden lassen. Das kann entweder durch Wiederherstellung von abgebrochenen Kontakten, von Wiedervereinigung und schließlich Versöhnung geschehen.
Man kann Bindungsarbeit auch anders verstehen, und zwar als Ermöglichung vertrauensbereiter Bindungen an Menschen, die nicht der Familie angehören.



3. Hauptperspektive (Die Delegation)

Die Delegation ist ein Interaktionsmodus zwischen Bindung und Ausstoßung.
Man muss nun zwischen gebundenen und ausgestoßenen Delegierten unterscheiden.
Gebundene Delegierte müssen Aufträge bewältigen, die sie im emotionalen Spannungsfeld der Familie festhalten. Ein Beispiel hierfür kann sein:

·Dem Leben eines alterndes Elternteils ein Sinn zu geben, und sich aufzuopfern.

·Das Leben eines/r verstorbenen Bruders/Schwester weiterzuführen und die von den Familien gesetzen Erwartungen zu erfüllen.

--> Dadurch erspart er der Familie die Trauerarbeit

Ausgestoßene Delegierte erleiden andererseits Überforderungen. Sie wurden als Kinder wenig gebunden und erfuhren viel Kälte und Distanzierung.
Diese Jugendlichen können sich zu selbstlosen Persönlichkeiten entwickeln, die ihre Eltern und Mitmenschen, auch wenn sie diese Ausstoßung und Versagung erlitten, trotzdem als Vorbild ansehen.



Delegation und Triangulation

Als Triangulation bezeichnet man die Einbeziehung eines Dritten in eine Zweierbeziehung.
Dieser Delegierte wird benötigt, um die Beziehung zu entschärfen oder zu stabilisieren.
Als Beispiel hierfür steht ein Kind, das als Sorgen- oder Problemlieferant gebraucht wird , um die Eltern von den eigenen, gegen den Partner gerichteten Gefühle von Frustration und Wut abzulenken.

Therapeutische Konsequenzen:

Dieses Modell verlangt von unserer Wahrnehmung, ein bestimmtes abwegiges Verhalten zu ändern.
Solches Verhalten zeigt sich nun nicht mehr negativ, z.B. als Ausdruck einer Ich- oder Über-Ich- Schwäche, Haltlosigkeit, etc.., sondern positiv als Leistung, bzw. als Opferleistung des Kindes für seine Eltern und Familie.
Ein Beispiel hierfür ist Sabine: Sie ist 16 Jahre alt und war ein Sorgenkind, denn sie ist oft von zu Hause ausgerissen und in der Drogenszene gelandet.
Nach dem ersten Familieninterview stellte sich heraus, dass Sabine ihre Mutter als Aufregungs- und Sorgenlieferant diente, und diese damit aus einer chronischen Depression herauspeitschte.
Der Grund für die Depressionen und auch Selbstmordgedanken ist ein Verkehrsunfall, wobei der Sohn zu Tode kam.
Daraus folgt, dass abwegiges und häufig selbstdestruktives Verhalten das Überleben eines oder beider Elternteile ermöglicht.
Sabine ist in dem Fall eine Delegierte, die Probleme und Konflikte auf sich nimmt und deshalb als Initiator und Katalysator einer Therapie wirkt.
Bleibt jedoch die Annerkennung für die Taten, die der Delegierte tut, versagt, so ist er überfordert und es entsteht eine Trotz- und Rachedynamik.
Der Delegierte hat die Möglichkeit die Eltern mit Angst und Scham zu belasten, wegen seiner Verdienste um die Familie und seine Opfermission.

--> Das heißt, dass die Eltern als Notleidende offenbart werden.

Das sich aus dem Delegationsgesichtspunkt herleitende Ziel der Therapie ist daher die Ermöglichung eines sowohl konfrontierenden als auch versöhnenden Dialogs.
( Hierbei lernen beide, sich zu akzeptieren und die Taten des Anderen mit neuen Augen zu sehen)


4. Hauptperspektive (Vermächtnis und Verdienst)

In diesem Abschnitt geht es um Loyatitätskonflikte, die in Delegationsdynamiken zum Ausdruck kommen.
In Delegationen bezeugen sich häufig Vermächtnisse, die über Generationen weitergereicht werden.
Dazu kann das Vermächtnis gehören, die Familienehre zu wahren, sich für bestimmte weltliche Werte einzusetzen etc..
Diese Vermächtnisse können gleichsam als ein "ich-synton" in einer Person integriert sein.
Ein Verhalten und Erleben einer Person wird als ich-synton bezeichnet, wenn sie sich damit identifizieren kann, sie also ihr Verhalten als zu sich gehörig empfindet.
Es können Konflikte entstehen , wenn ein Vermächtnis gespaltener Loyalität zum Tragen kommt.
Das betreffende Individuum muss Konflikte bewältigen, die ihm nicht nur von zerstrittenen Eltern, sondern auch von zerstrittenen Familien-Clans (Kinder, Abkömmlinge) delegiert wurde.
Ein tragisches Beispiel hierfür ist Romeo und Julia.

--> viele schizophrene Störungen entstehen nicht nur als Folge einer massiven Bindungs- und Delegationsdynamik, sondern auch eines solchen Vermächtnisses gespaltener Loyalität.

Nach Ivan Boszormenyi bestimmt sich die Dynamik wesentlicher Beziehungen durch eine Verdienstbuchführung (ledger of merits).
Der Verdienst bzw. dem Bewusstsein des Verdienstes wird eine motivierende Kraft zugesellt, die Trieb oder Bedürfnis erkennen soll.
Jedes Familienmitglied zeigt einen negativen und positiven Verdienstkontenstand, der unabhängig davon ist, ob Vermächtnisse erfüllt wurden oder nicht.
Der Begriff Verdienstkonten schließt die Vorstellung eines über Generationen wirkenden Zwanges ein, Rechenschaft über Verdienste sowohl selbst abzulegen als auch von anderen zu fordern.
Das Gefühl, gerecht oder ungerecht behandelt zu werden oder Ansprüche an Andere zu haben oder nicht zu haben, ein sinnloses oder sinnvolles Leben zu führen, sind von diesem Verdienstkontenstand bestimmt.
Wird keine Rechenschaft gegeben, so besteht die Gefahr eines Kommunikatinsabbruches und der dauernden Ausbeute einzelner Mitglieder.

-->Dialog stagniert --> negative Gegenseitigkeit

Die fünfte Hauptperspektive: Status der Gegenseitigkeit

Die fünfte Hauptperspektive beschreibt den Status der Gegenseitigkeit. Hierbei wurde diese Perspektive erst relativ spät in das Heidelberger familiendynamische Modell einbezogen. Gregory Bateson schaffte jedoch früh die Basis hierfür. Bereits im Jahre 1949 beschrieb er Beziehungsstrukturen bzw. – kontexte , die nur auf das Wesentliche reduziert wurden. Beziehungen geraten hier in den Sog eines Machtkampfes, welchen Bateson auch als “ Symmetrische Eskalation“ bezeichnete. Diese Eskalation zeigt sich beim Wettrüsten , wo der sich im Rückstand glaubende Protagonist versucht , den anderen zu überrunden. Dieser befindet sich nun im Rückstand und veranlasst ihn erneut zum überrunden des anderen. J. Haley ( 1963 ), P. Watzlawick ( 1967 ) und insbesondere M. Selvini – Palazzoli gehören zu den Autoren, die die Folgen eines solchen Wettrüstens und Machtkampfes in Paar – und Familienbeziehungen untersuchten. Aus einem Konzept der negativen Gegenseitigkeit, welches im Jahre 1971 entwickelt wurde, ließen sich wesentliche Elemente der fünften Hauptperspektive präzisieren. Negative Gegenseitigkeit bezeichnet ein dynamisches Geschehen oder auch eine Beziehungsdialektik, die sich der positiven Gegenseitigkeit gegenüberstellen lässt. Im Falle einer positiven Gegenseitigkeit bestätigen und anerkennen sich die Paare auf immer komplexeren und existentiell bedeutsameren Ebenen. Es kommt zu einer Konfrontation und anschließend zu einer Versöhnung. Im Falle einer negativen Gegenseitigkeit scheitert eine solche dialogische Bewegung. Es findet keine gegenseitige Anerkennung statt, denn die Partner disqualifizieren einander . Konfrontation und anschließende Versöhnung fehlen oder schränken sich stark ein. Die Extremform einer negativen Gegenseitigkeit ist eine maligne Verklammerung ( Clinch ). Hierbei erstarrt das System vollkommen. Trotz möglicherweise dramatischer äußerer Bewegtheit, bewegt sich in der Beziehung nichts. Die Mitglieder des Systems befinden sich in einem Clinch. Auch in diese letzte Hauptperspektive fließen Elemente der zuvor vier genannten Perspektiven ein. Es zeigt sich eine neue Beziehungsgestalt, eine Hier und Jetzt zum Zuge kommende Beziehungsdynamik, womit die maligne Verklammerung gemein ist.
Beispiel zur Verdeutlichung :
Clinch im Boxkampf
Bei einem solchen Clinch sind die Kräfte miteinander verklammert. Sie schlagen häufig wild aufeinander ein und bringen dennoch den Kampf nicht von der Stelle. Aus eigener Kraft sind sie nicht in der Lage den Clinch zu lösen noch den Kampf voranzutreiben.

Anders als beim Boxkampf ist er Clinchcharakter vieler Beziehungskämpfer nur schwer zu erkennen. Im eskalierenden Beziehungsmachtkampf werden Waffen, wie z.B. das Hilflos- Machen und Unter-Schulddruck-Setzen des Gegners durch das Ausspielen von Symptomen, Schwäche und Unfähigkeit eingesetzt. Dazu gehört auch das Disqualifizieren der eigenen und der fremden Kommunikation, das Auslegen von “ double-binds“ ( Beziehungsfallen ), das Vermeiden einer Definition der Beziehung, das Ausweichen vor Führerrolle und Eigenverantwortung.
Besonders Familien mit schizophrenen, anorektischen ( an einer Pubertätsmagersucht leidenden ) und chronisch psychosomatisch kranken Jugendlichen verdeutlichen einen solchen Clinch. Hierbei ist das Therapieziel, den Clinch aufzubrechen und damit den auf Wachstum, auf Veränderung, auf gegenseitige Abgrenzung und Individuation hinsteuernden Beziehungskräften eine neue Chance zu geben. Mit dem Bild vom Clinch der Boxkämpfer kann man einige therapeutische Konsequenzen dieser Perspektive skizzieren:
Beim Boxkampf löst der Schiedsrichter den Clinch auf. Er greift unter Umständen aktiv und energisch durch und setzt sich dabei durch. Durch einen solchen aktiven, persönlichen Einsatz bringt er den Boxkampf wieder in Bewegung und verschafft dem Spiel, unterschiedlichen Individualitäten, Strategien etc. einen Entfaltungsraum, der solange fehlte wie der Clinch anhielt. In ähnlicher aktiver Weise muss ein Familien- oder Paartherapeut das Gewicht seiner Persönlichkeit bzw. Autorität zum Einsatz bringen.

Zwei familientherapeutische Grundmodelle:

Heilung durch Begegnung vs. Heilung durch Systemänderung

Die genannten fünf Hauptperspektiven bilden einen Rahmen für die therapeutische Arbeit mit Jugendlichen und ihren Familien. Diese Arbeit kann sich im einzelnen sehr unterschiedlich gestalten. Für die Familientherapie gibt es bis heute keine Standardmethode, die denen der Psychoanalyse vergleichbar wären. Die Familientherapie ist ein Grundkonzept, in dem je nach Phase des therapeutischen Prozesses und je nach Zielsetzung der therapeutischen Intervention auch für verschiedene Formen der Einzel- und Gruppentherapie Platz ist. Allerdings ist es sinnvoller von Anfang an mit allen Mitgliedern des Systems zu arbeiten. D.h. mit den Eltern, dem Patienten und den Geschwistern.
In der Heidelberger familientherapeutischen Arbeit geht man heute von zwei Grundmodellen ( Konzepten ) aus.
1. Modell “ Heilung durch Begegnung“
2. Modell “Heilung durch Systemveränderung“
Beide Modelle weisen Gemeinsamkeiten, sowie auch Unterschiede auf. Beide Modelle verlangen vom Therapeuten eine Haltung der “ Allparteilichkeit“. Der Therapeut muss sich in die Notlage eines jeden Familienmitglieds einfühlen können. Dies bedeutet, dass er in erster Linie versuchen muss den Eltern und dem Jugendlichen gerecht zu werden. Außerdem verlangen beide Modelle, dass der Therapeut viel stärker als in einer Psychoanalyse das Familiengeschehen während der Sitzung strukturiert und destruktive Muster bereits im Ansatz unterbindet und als aktiver Regisseur die Sitzung lenkt. Es ist erforderlich, dass der Therapeut Angst Scham und Schuld bei den Eltern abbaut.


Begegnungsarbeit:
Die Unterschiede der beiden Modelle ergeben sich in den unterschiedlichen Zielsetzungen. Beim Begegnungsmodell geht es darum, möglichst schnell in der Familiensitzung einen befreienden, innerfamiliären Dialog in Gang zu bringen. Der Therapeut ermöglicht es der Familie, miteinander über bisher tabuisierte Dinge zu sprechen. Nicht durch seine Worte und Handlungen, sondern vielmehr durch seine Haltung vermittelt er der Familie über alles reden zu können. Der Therapeut ermöglicht bisher vermiedene intrafamiliäre Auseinandersetzungen und Versöhnung. Die skizzierende Begegnungsarbeit ähnelt der psychoanalytischen Arbeit. Die Therapiesitzungen finden relativ häufig statt ( psychoanalytische Sitzung: in der Regel vier mal wöchentlich und die Familiensitzung: einmal wöchentlich ) .

Systemarbeit :
Das Ziel der Systemarbeit ist die möglichst schnelle Erfassung der Beziehungsdynamik, Erarbeitung und Ausführung einer “systementsprechenden“ Intervention. Hierbei stellt der Therapeut jegliche Deutung bis zum Ende der Sitzung, oder des “ Interviews“ zurück. Die Therapeuten versuchen auf diese Weise versteckte Informationen zu finden. Solche Informationen erhält man oft sehr schnell, indem man jedes Familienmitglied bittet, seine Ideen hinsichtlich der Beziehungsposition der anderen Mitglieder mitzuteilen. Im Gegensatz zu dem Modell “Heilung durch Begegnung“ finden die Therapiesitzungen in relativ langen Intervallen ( vier- bis sechswöchig ) statt . Das Ziel ist es den Clinch zu lösen. Ist ein solches System einmal gesprengt und der Clinch dadurch gelöst, ist abzuwarten, wie weit die in der Familie freigesetzten, auf positive Veränderung und allseitige Individuation gerichteten Kräfte ohne Hilfe von Außen zum Zuge kommen. Möglicherweise kann es nun zu einer neuen Phase der Therapie kommen, in der es wichtig ist, dass der Jugendliche versäumte soziale sowie auch praktische Fertigkeiten erlernt und versäumte Erfahrungen nachholt. Hierbei scheint eine Gruppen- oder Einzeltherapie geeignet. Die Eltern brauchen möglicherweise eine Hilfe als Paar, also eine Paartherapie, um mit ihren Problemen, die bisher von den Problemen des Kindes verdeckt wurden, zurechtzukommen.

Systemänderung und Ermöglichung des Dialogs :
Letzten Endes dient die Systemarbeit der Ermöglichung eines befriedigenden Dialogs bzw. einer positiven Gegenseitigkeit. In vielen Fällen lässt sich die Systemarbeit als Einleitung einer Begegnungsarbeit verstehen. Je nach Phase des therapeutischen Prozesses und je nach dem verwendetem therapeutischen Modell ( Begegnungsmodell oder Systemmodell ) gestaltet sich die Therapie verschieden. So verschieden sie sich auch gestaltet ist, sie ist in der Regel kürzer und konzentrierter als eine Individuum-zentrierte, insbesondere eine psychoanalytische Therapie. Das Konzept der Familientherapie beinhaltet neue Vorstellungen über die Art und den Zeitaufwand der notwendigen Therapie. Der Vergleich mit der Psychoanalyse macht dies deutlich.


Abschließende Bemerkung zum Dialog zwischen den Generationen:
Abschließend lässt sich sagen, dass sich in unserer heutigen Welt ein solcher Dialog schwieriger erweist als jemals zuvor. Der sich beschleunigende gesellschaftliche Wandel veränderte und verändert den Kontext unseres Lebens und unserer Beziehungen radikal. Er macht alte Traditionen und Werte problematisch. Die Ergebniswelten der Generationen werden getrennt und die Aufgabe, einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus und eine gemeinsame Sprache als Basis des Dialogs zu finden, deutlich erschwert. Und so schwierig sich dieser Dialog für alle Beteiligten ( Eltern , Jugendliche und Therapeuten) auch gestaltet, so notwendig ist er heute, um dem Drama von Trennung und Versöhnung im Jugendalter die Möglichkeit auf einen guten Ausgang zu geben.

von Tanja Nowikow und Kristina Romanowski


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Verfasst: Di 18. Sep 2012, 16:29 


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